Lykische Schätze

Die lykische Küste ist reich an antiken Schätzen. Viele archäologische Stätten in Kleinasien stehen Ausgrabungen im griechischen und römischen Mutterland in nichts nach.

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1Das Theater von Aspendos

Aspendos hat das besterhaltene Theater Kleinasiens

Die antike Stätte, etwa 5 Kilometer östlich von Serik gelegen, ist ein ausgesprochenes Highlight. Die alte Stadt Aspendos ist zwar noch nicht ausgegraben, doch ihr großes Theater aus römischer Zeit ist eines der besterhaltenen im gesamten Mittelmeerraum. Wer das Glück hat, hier ein Konzert oder eine Oper hören zu können, wird neben der einmaligen Atmosphäre auch die unglaubliche Akustik des Theaters genießen können: Selbst auf den obersten Rängen ist jedes Geräusch aus der Arena zu hören – sogar das Rascheln von Papier, wenn der Dirigent seine Notenblätter wendet.

Hier traten unter anderem die Tenöre Luciano Pavarotti und Jose Carreras auf, das ZDF sendete aus der Arena 2005 eine Open-Air Sendung von „Wetten dass…“ Inzwischen wurde in der Nähe die „Gloria Aspendos Arena“ gebaut, weil das antike Theater aus Sicherheitsgründen für derartige Vorführungen nicht mehr zur Verfügung gestellt wird. Der Schaden, den das alte Theater durch die Vibrationen der lauten Musik und Tausenden von Besuchern an der Bausubstanz nahm, schien Experten nicht mehr verantwortbar.

Das Theater ist ein römischer Bau, dessen Bühnenhaus in vollständiger Höhe erhalten geblieben ist. Die Innenseite zur früheren acht Meter breiten Holzbühne war mit reichhaltigem Säulenschmuck, Balkenwerk, Friesen, Rosetten und Ornamenten verziert, wovon die heutigen Reste noch einen guten Eindruck geben. Unterhalb der Mauerkrone sind noch die Einlassungen erkennbar, auf denen eine schräge Holzkonstruktion ruhte, die die Bühne überspannte und für die einmalige Akustik sorgte.

Öffnungszeiten: Sommer 8:00 – 19:00 Uhr, Winter 8:00 – 17:30.

2Die Stadt Perge

Eine der schönsten antiken Stätten ist Perge

18 Kilometer östlich von Antalya liegt die antike Stadt Perge, die mit Bussen aus Antalya oder Alanya leicht zu erreichen. Wegen ihrer Lage auf der Kilikien – Pisidien Strecke war sie ein wichtiger Teil der Provinz Pamphylien und wurde wie die anderen Städte in der Umgebung im 7. Jahrhundert v. Chr. gegründet. Es war eine Pilgerstadt für Christen, auch der Heilige Paulus und Sankt Barnabas besuchten die Stadt, reiche Wohltäter beschenkten die Stadt mit monumentalen Bauten. Das Theater etwa hat Platz für 12 000 Personen. Die Agora (man könnte sagen: der Marktplatz) war früher das wirtschaftliche und politische Zentrum Perges, und ist auch heute noch gut zu erkennen. Zwischen dem alten griechischen Stadttor und dem Nymphäum an den Hängen der Akropolis erstreckt sich ein weiter Kolonnaden-Boulevard, der zu den beliebtesten Fotomotiven gehört.

Öffnungszeiten: Som

mer 8:00 – 19:00 Uhr; Winter 8:00 – 17:.30.

3Termessos

Die antiken Reste von Termessos im Norden Antalyas

Nördlich von Antalya lockt Termessos, eines der interessantesten Ruinenstädte der Türkei. Gegründet wurde sie wohl durch den Volksstamm der Solymer, der aus dem Inneren Anatoliens stammt, ausgebaut und zu hoher Blüte gebracht durch die Römer. Sehenswerte Überbleibsel sind das von Kaiser Augustus zu Beginn des ersten Jahrhunderts n. Chr. errichtete Theater mit seinen 4200 Plätzen, und das Odeon, ein überdachter Versammlungssaal für 600 Personen. Fünf große, miteinander verbundene, unterirdische Zisternen wurden für die Lagerung von Wasser und Olivenöl verwendet. Um Termessos herum wurden mehr als 1200 Felsengräber entdeckt.

4Phaselis

Die Reste der römischen Wasserleitung in Phaselis

Ein ganz besonderes Schmuckstück ist Phaselis, etwa 60 Kilometer westlich von Antalya gelegen. Gegründet von griechischen Siedlern aus Rhodos im 7. Jahrhundert v. Chr. wurde Phaselis zur wichtigsten Hafenstadt im östlichen Lykien. Alexander der Große hat dort auf seinem Feldzug nach Persien und Indien einen Winter verbracht, die Römer nutzten Phaselis ebenfalls als Stützpunkt und bauten eine spektakuläre Wasserleitung von den Bergen des Taurus herunter an die Küste – gut erhaltene Reste des Aquädukts sind noch heute zu sehen.

Was Phaselis besonders attraktiv macht, sind die schön restaurierten römischen Bäder, das Stadion und die einst prächtige Hauptstraße, die die drei Häfen der Stadt miteinander verbindet. Phaselis ist ein beliebtes Ausflugsziel für Einheimische und Touristen, die in den Ruinen spazierengehen und im glasklaren Wasser der antiken Häfen schwimmen. Von den umliegenden Orten werden Bootsfahrten nach Phaselis mit ausgiebigen Badestopps angeboten.

Der Zugang nach Phaselis ist in der Regel bis Sonnenuntergang möglich.

5Olympos

Die Ruinen von Olympos verstecken sich in dichtem Gebüsch und Wald

Eine halbe Autostunde von Phaselis entfernt liegt zwischen Kemer und Adrasan die Stadt Olympos, einst ein wichtiges Mitglied des Lykischen Bundes. Hier wurde der Höllenschmied Hephaistos als Hauptgott verehrt – kein Zufall, weil, im nahen Yanartas das ewige Feuer der Chimeira brennt. Es entsteht durch Gase, die aus Rissen und Spalten eines felsigen Hügels austreten, der sich vor allem in den Abendstunden großer Beliebtheit erfreut.

Ein Großteil der Stadt ist noch nicht ausgegraben, doch lohnt sich ein Gang durch die weitläufigen Ruinen ganz bestimmt. Bei genauem Hinsehen sind zwischen Bächen, Bäumen und Pflanzen viele versteckte Relikte zu entdecken. Olympos ist im übrigen bekannt für seine Baumhaus-Camps, die vor allem bei jungen Leuten beliebt sind, sowie für seinen schönen Strand.

Der Zugang nach Olympos ist praktisch immer möglich.

6Rhodiapolis

Kaum bekannt, aber absolut sehens- und besuchenswert ist die hoch am Berg über Kumluca gelegene Stadt Rhodiapolis. Gegründet von griechischen Siedlern aus Rhodos, kam sie bald zu großem Reichtum. Einer ihrer Bürger namens Opramoas zählte sogar zu den reichsten Männern der damals bekannten Welt – eine Art Bill Gates der Antike, der seiner Heimatstadt prächtige Gebäude stiftete und mitunter auch größere Beträge für die Wiederherstellung bei Erdbeben zerstörter Ortschaften bereitstellte. Dafür ließ sich der leicht eitle Mäzen einige Denkmäler setzen und seine Verdienste in viele Steinquader meisseln. Rhodiapolis war lange nur schwer erreichbar; seit die Universität Antalya Ausgrabungen durchführt und Teile des herrlichen Theaters restauriert, ist es problemlos mit dem Auto über gut ausgeschilderte Wege zu erreichen. Der Blick von hoch droben über die landwirtschaftlich geprägte Region um Kumluca ist etwas Besonderes. Man kann gut erkennen, dass die Ebene, in der jetzt hunderte Gewächshäuser stehen, früher vom Meerwasser bedeckt war und das alte Rhodiapolis wohl noch nah an der Küstenlinie lag.

Geöffnet sind die Ausgrabungen täglich bis Sonnenuntergang.

7Limyra

Willkommene Erfrischung in den Ruinen von Limyra

Ein echter Geheimtipp in der Nähe des schönen Städtchens Finike ist Limyra. Es wurde wohl schon im 5. Jahrhundert gegründet, und trotz eines massiven Erdbebens in der Mitte des 19. Jahrhundert ist es noch relativ gut erhalten. Limyra besteht aus drei Teilen: der Akropolis (Burg), dem eigentlichen Siedlungsbereich und einer großen Nekropolis (Totenstadt). Der Ort wurde im 7. und 9. Jahrhundert nach Überfällen der Araber aufgegeben. Ein Spaziergang durch die Ruinen ist auch im Hochsommer kein Problem: Da Teile der Stadt im kalten Wasser eines Flusses versunken sind, lädt Limyra auch zum Baden ein.

Auch Limyra steht Besuchern jeden Tag bis zum Einbruch der Dunkelheit offen.

8Arycanda

Der Blick vom Theater Arycandas ins Tal ist atemberaubend

Der relativ weite Weg von Antalya über Finike in Richtung Elmali lohnt sich absolut, denn Arycanda kann es mit weit bekannteren Ausgrabungen locker aufnehmen. Durch die weitläufigen Ruinen zu wandern, schöne und gut erhaltene Mosaiken zu bestaunen, die gewaltigen Grabstätten von reichen Griechen und Römer sowie die ehemaligen öffentlichen Bäder zu sehen, ist schon ein Erlebnis. Eindrucksvoller ist nur noch der phantastische Blick von den Rängen des Theaters herunter ins Tal oder der Gang über die antike Sportarena. Die Ausgrabungen belegen, dass Arycanda schon im 5. Jahrhundert v.Chr. bestand und den wichtigen Handelsweg vom Meer ins Landesinnere schützte und kontrollierte. Trotz eines gewaltigen Erdbebens im Jahr 240 n.Chr. behielt die Stadt ihren Status bis in das 11. Jahrhundert hinein.

Geöffnet sind die Ausgrabungen täglich bis Sonnenuntergang

9Myra

Das heutige Demre, 25 Kilometer westlich von Finike gelegen, ist über eine spektakuläre Küstenstraße zu erreichen – und spektakulär ist auch das alte Myra. Allein das große Theater wäre den Besuch wert, zum Erlebnis aber wird der Ort durch die Felsengräber in den steilen Felswänden darüber. Berühmt geworden ist Myra auch durch den Heiligen Nikolaus, der einer der ersten Bischöfe in Lykien war. Er soll armen Familien heimlich Geld und Gold zugesteckt haben – das Vorbild für den Nikolaus unserer Tage, der kurz vor Weihnachten die Kinder beschenkt. Da der Heilige Nikolaus im orthodoxen Christentum einen hohen Rang einnimmt, wird seine kleine Kirche vor allem von russischen Touristen besucht. Zwar wird behauptet, dass die sterblichen Überreste des Heiligen im italienischen Bari liegen, doch türkische Archäologen glauben, im letzten Jahr sein Grab in der Kirche zu Myra gefunden zu haben. Die Untersuchungen des Funds dauern noch an.

Geöffnet sind die Kirche und das antike Myra ab 9 Uhr bis 17 Uhr

10Kekova

Baden neben Sarkophagen – in Kekova geht das

Zwischen Demre und Kas liegt beim Dorf Ücagiz das schmucke Kekova . Der Aufstieg zur seldschukischen Burg ist ein wenig mühsam, doch unterwegs sind viele kleine Cafes und Bars, die frisch gepressten Orangen- und Granatapfelsaft anbieten. Die Frauen von Kekova verkaufen entlang des Weges selbstgemachten Schmuck sowie hübsche Kleider und Tücher. Direkt am Meer laden Dutzende Restaurants zu gegrillten Fleisch und Fisch ein. Der Blick auf die im Wasser versunkenen Reste der antiken Stadt ist wunderschön, und neben den aus dem Meer ragenden Sarkophagen zu schwimmen, ist ein Erlebnis der besonderen Art.

Kekova ist jederzeit erreichbar, die Burg allerdings ist nur bis Sonnenuntergang offen.

11Simena

Kanufahrer vor der versunkenen Stadt Simena

Gegenüber von Kekova liegt Simena, die versunkene Stadt. Sie ist wohl bei einem Erdbeben zerstört worden, bei dem die gesamte Landbrücke zwischen dem Ort und der Nachbarstadt Kekova eingestürzt ist. Gut zu sehen ist noch ein kleines, in den Fels gehauenes Theater und Reste der Stadtmauer aus der Römerzeit. Der größte Teil Simenas allerdings liegt ein paar Meter unter der Wasseroberfläche. Die Überreste antiker Häuser, Säulen und Statuen sind am besten von einem Glasboden-Boot aus zu sehen, die in Kekova, Ücagiz oder Andriake (dem alten Hafen von Myra) auf Kundschaft warten. Achtung: Schnorcheln und Tauchen ist vor Simena streng verboten – man fürchtet nicht zu Unrecht Diebstähle von antiken Artefakten.

12Antiphellos/ Kaş

Der Hafen von Kas. Bis ins griechische Meis sind es nur wenige Kilometer

Antiphellos, das heutige Kaş war in der Antike eine wichtige Stadt des Lykischen Bundes und bekam seinen Namen vom griechischen Wort „Phellos“ – was soviel wie „Der steinige Platz“ bedeutet. Die Stadt Kaş wiederum bedeutet Augenbraue, was daran liegt, dass die nur sechs Kilometer entfernte griechische Insel Meis einem Auge ähnelt und Kaş (von oben gesehen) die Augenbraue dazu bildet. Hier sollten Sie den kleinen Strand Kaputas und die Blaue Höhle 15 Kilometer westlich von Kas besuchen. Die Bootsfahrt vom türkischen Kaş ins griechische Meis dauert nicht lange und braucht keine großen Formalitäten, weshalb sich zwischen beiden gut pendeln lässt. Findige türkische Kleinhändler verkaufen bei Ihren Bootstouren Obst und Gemüse an die Griechen – und bringen auf dem Rückweg Wein und Schnaps mit, der in der Türkei recht teuer ist.

Auf dem Weg nach Patara ist auch pittoreske Stadt Kalkan mit Ihrem Hafen und der schönen Bucht sehenswert.

13Patara

Patara hat einen der schönsten Strände der Türkei

Zehn Kilometer vor Kalkan entfernt, an der Straße nach Fethiye, befindet sich Patara. Die bunten Keramiken in der Mitte der Stadt beweisen, dass die Geschichte der Stadt auf das 5. Jahrhundert v.Chr. zurückgeht. Patara war der Geburtsort des Heiligen Nikolaus und einer der wichtigsten Seehäfen während der Zeit von Alexander dem Großen. Wichtigsten Bauwerke sind das Theater, das Stadttor und eine Schiffswerft. Der feine Sandstrand von Patara ist 18 Kilometer lang – er gilt als einer der schönsten, wenn nicht sogar als der schönste der Türkei.

14Xanthos

Xanthos, die „Stadt der Katastrophen“

Auf dem Weg von Patara nach Fethiye begegnen wir der Stadt Xanthos. Bis zur Invasion der Perser im Jahre 292 v.Chr. war es Xanthos gelungen, unabhängig zu bleiben. Die Eroberung der Stadt durch die Perser verlief tragisch: Die Männer von Xantos töteten, um dem Weg in die Sklaverei zu entgehen, zuerst ihre Frauen und Kinder, und begingen danach Selbstmord. Einige Familien, die rechtzeitig flüchten konnten, kehrten Jahre später zurück in die Stadt, doch 100 Jahre darauf wurde Xanthos durch ein grosses Feuer erneut total zerstört. Die wieder aufgebaute Stadt berappelte sich nochmals und kam kurzzeitig zu neuer Blüte – nur um weiteres Unglück zu erleben. Weil sie sich gegen die hohen Steuern der römischen Besatzer wehrte, wurde sie zerstört und die Einwohner in Gefangenschaft geführt. Kein Wunder, dass Xanthos als die Stadt der Katastrophen bezeichnet wird.

 

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