Wut und Enttäuschung über Risiko-Einstufung der Türkei

Die Entscheidung der Bundesregierung, die Türkei als Corona-Risikoland einzustufen und damit Reisen dorthin massiv zu erschweren, hat bei türkischen Institutionen heftige Enttäuschung, Wut und Proteste ausgelöst. Auch die deutsche Reisebranche leidet darunter.

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Protest kommt auch vom türkischen Außenminister Mehmet Cavusoglu

Urlaub in der Türkei ist für die nächste Zeit, in der die Einstufung des Landes als „Risikogebiet“ gilt, massiv erschwert. Natürlich kann man fliegen oder fahren. Aber wer nach einem Urlaub in einem Risikogebiet nach Deutschland zurückkehrt, könnte für 14 Tage in Quarantäne kommen. Arbeitsrechtler warnen, dass man dadurch finanzielle Einbußen erleiden und sogar seinen Job verlieren könnte: durch die Reise in das Risikogebiet könnte die „Treuepflicht“ dem Arbeitgeber gegenüber verletzt werden.

Entsprechend groß ist die Enttäuschung in der Türkei. Dort meldet sich Außenminister Mevlüt Çavuşoğlu zu Wort: „Ich habe Herrn Maas vorgeschlagen, eine Gruppe deutscher Experten in die Türkei zu schicken, um sich vor Ort von den Maßnahmen zu überzeugen. Ich verstehe nicht, auf welchen wissenschaftlichen Fakten diese Entscheidung beruhen mag.“

Ähnlich sehen es Verbände türkisch-stämmiger Bürger. So verurteilt der Vorsitzende der türkischen Gemeinde der Metropolregion Nürnberg (TGMN), Bülent Bayraktar, die Entscheidung mit den Worten: „Die Einstufung der Türkei als Risikogebiet ist objektiv nicht nachvollziehbar und bestraft Türkei-Urlauber“. Bayraktar hält die Entscheidung für politisch motiviert und bezeichnet sie als maßlos. Sie benachteilige Millionen von Menschen, die ihren Sommerurlaub in der Türkei verbringen wollen.

Seiner Rechnung zufolge erfüllt die Türkei die Kriterien für eine Aufnahme in die Liste sicherer Länder, denn bei 1.592 neu gemeldeten Coronavirus-Fällen pro Tag und einer Bevölkerung von 83 Millionen, werden in der Türkei täglich 19 Fälle pro 100.000 Einwohner registriert – deutlich unter den geforderten 50 Fällen pro 100.000 Einwohner.

In der Türkei zeigen sich Touristiker und Hoteliers auch deshalb enttäuscht, weil sie der Überzeugung sind, besonders gute Maßnahmenpakete gegen mögliche Ansteckungen in den Hotels geschnürt zu haben. So wurde mit der Zertifizierung der Hotels der TÜV Süd beauftragt in der Hoffnung, dass man dem TÜV in Deutschland besonders vertrauen würde.

Von der Entscheidung der Bundesregierung, der Liste des Robert-Koch-Instituts zu folgen und die Türkei bis auf Weiteres als Risikogebiet einzustufen, sind nicht nur türkisch-stämmige Mitbürger in Deutschland und Deutsche betroffen, die gerne Urlaub in der Türkei gemacht hätten, sondern auch deutsche Reisebüros, denen die Verkäufe von Türkei-Reisen empfindlich fehlen. Von den Hotels in der Türkei ganz zu schweigen. Viele der Hotels könnten angesichts des drohenden Ausbleibens deutscher Urlauber in der Türkei für diese Saison gänzlich darauf verzichten, ihre Anlage zu öffnen, weil sie diese wahrscheinlich nur mit Verlust betreiben können.

Quelle: Tourexpi

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